Die Bärenhofkapelle in Titisee

Die Bärenhofkapelle in Titisee wirkt heute inmitten des Neubaugebietes am Nordosten von Titisee wie ein Gruss vergangener Tage. Sie dient seit dem Jahr 1942 den evange-lischen Christen der Andreasgemeinde Feldberg-Titisee als Gotteshaus, als Ort der Sammlung, Besinnung und Stille. 

Die Kapelle steht auf dem Gelände des ehe-maligen Bärenhofes und zeugt von der alten Tradition der wohlhabenden mittelschwarz-wälder Hofbauern, zu deren geschlossenem Hofgut auch eine Hauskapelle gehörte. 

Sie wurde 1843 vom Land- und Gastwirt Nikolaus Isele vom Bärenhof auf seinem Anwesen in spätbarockem Baustil errichtet. 

Der Bärenhof gehörte zum zentralen Ortsteil Altenweg der ehemaligen Gemeinde »Viertäler« (bis 1929 der Name des heutigen Titisee) und brannte 1936 ab. Er war gleichzeitig Poststation und Gasthaus am Vorläufer der heutigen B 31 und besass eine grosse Pferdehaltung für Personen- und Warentransporte. 

Auch die Ausstattung der Kapelle mit Altären entsprach dem in ländlichen Gegenden vorherrschenden Spätbarock: Die Linien wurden strenger, Verzierungen wurden sparsamer verwendet. Die Altäre sollten mächtig und verspielt wirken. Ein unbekannter —von Hof zu Hof ziehender — Bauernmaler schuf die drei Altarbilder. 

Mit schlichten Mitteln malte er auf dem rechten Seitenaltar, mit dem Portrait des Auftraggebers Isele den Patron der Kapelle, den Heiligen Nikolaus. Er hält eine Nachbildung des Gotteshauses auf seinem Messbuch in seiner rechten Hand, im Hintergrund ist der Bärenhof zu erkennen. 

Auf dem Altar links ist Maria, die Mutter Jesu, dargestellt, ihr wurde das Aussehen einer Tochter Nikolaus Iseles gegeben.

Der Hauptaltar zeigt den Christus in lehrender Haltung, in Anlehnung an das Wort aus dem Johannesevangelium: »Durch mich zum Vater«.

 Die Bärenhofkapelle war bis zum Bau der Christkönigkirche (1936) in Titisee der Gottesdienstraum der römisch-katholischen Gemeinde. Die Gottesdienste wurden von Kaplänen aus Neustadt und zeitweise von Kurseelsorgern gehalten. 

Die evangelische Gemeinde hielt seit 1915 ihre Gottesdienste in Hotels ab. 

Im Jahr 1942 stellten die damaligen Besitzer, das Ehepaar Brugger, die Bärenhofkapelle für evangelische Gottesdienste mietfrei zur Verfügung. Im Jahr 1980 ging sie durch Schenkung der Familien Eckstein und Wiesler an die evangelische Gemeinde Hinterzarten (zu dieser gehören auch die Orte Titisee, Feldberg und Breitnau).

Durch Renovierung zwischen 1970 und 1980 wurde die Kapelle innen und aussen instand gesetzt. Seit dem Bestehen der Andreasgemeinde Feldberg-Titisee, seit dem 1. August 1971 mit Dienstsitz des Pfarrers in Feldberg-Falkau, wird die kirchliche Versorgung der Evangelischen in Titisee von dort aus wahrgenommen. 

In den Jahren 1992 und 1993 konnte endlich einem langgehegten Wunsch der Gemeindeglieder und der Verantwortlichen nachgekommen werden: Im Dachgeschoss, durch eine Treppe erreichbar, erhielt die Kapelle einen Gemeinderaum, von aussen durch die neu aufgesetzten Dachgauben erkennbar, ausserdem eine Teeküche und eine Toilette. Auch der Kapelleninnenraum wurde 1993 einer gründlichen Renovierung unterzogen. 

(Text zusammengestellt (1993) von F. Hädrich unter Verwendung von Informationen von M. Huss)

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Inzwischen konnte die Gemeinde auch eine gebrauchte Orgel anschaffen, die wurde durch die Vermittlung des damaligen Pfarrers Jörg Wegner möglich, der das Instrument ausfindig machte. 

Der Gemeinderaum indes ist durch die feuerpolizeilichen Bestimmungen nicht mehr als solcher nutzbar, da ein erster Fluchtweg fehlt. 

(Hellmuth Wolff) 

Bärenhofkapelle, wohl 1953 oder später, Bildautor unbekannt, Archivbild