Was ist eine Intinctio?

Mit Medizin hat das nichts zu tun. Der Ausdruck ist ein Überbleibsel der alten Kirchensprach Latein. Das lateinische Wort bedeutet „Eintauchung«. Intinctio meint, dass bei der Eucharistie (Abendmahl) das Brot in den Wein eingetaucht wird. Während das in orthodoxen Kirchen üblich ist, kennt man es bei uns in Baden selten. Immerhin ist es eine Möglichkeit, so sieht das auch unsere Landeskirche. 

Was das soll? Es gibt Menschen, die möchten nicht gerne mit anderen aus einem Kelch trinken, es ist ihnen unangenehm. 

Andere sind erkältet, auch da könnte es sinnvoll sein, nicht aus dem Kelch zu trinken. 

Natürlich ist es in solchen Fällen auch möglich, den Kelch einfach nur kurz zu halten und ihn dann wieder zurückzugeben. 

Dann gäbe es noch die Möglichkeit, Einzelkelche zu benutzen. aber das mindert den Gedanken der Einheit und der Gemeinschaft deutlich. 

Nun werden in unseren beiden Kirchengemeinden schon lange Hostien statt Brotstücke bei der Eucharistie gereicht. Daher haben wir noch eine weitere Möglichkeit: Behalten Sie die Hostie in der Hand und tauchen sie nachher in den Wein, wenn Ihnen der Kelch gereicht wird. 

Mein Kollege Klaus Zimmermann meint dazu: »Ganz im Sinne des Erfinders wird es sein, wenn es beim Abendmahl zur Tinktur kommt und wir »eingefärbt« werden von der Liebe Jesu, dessen Gäste wir sind und dessen »Hingabe« wir schmecken- mit oder ohne Intinctio.«

Ist sich bekreuzigen katholisch?

Mehr als Worte reden oft Zeichen und Bilder. Darum ist es für viele (immer noch) »katholisch«, wenn man sich bekreuzigt. Immerhin schlagen viele Pfarrer/innen beim Segen das Kreuz und auch nach der Taufe wird den Kindern zugesprochen: Du gehörst nun zu Jesus Christus, darum zeichne ich dich mit dem Zeichen des Kreuzes.  

Für Martin Luther war das Kreuzzeichen noch eine Selbstverständlichkeit. So finden wir bei seinem Morgen- und Abendsegen das: Des Morgens, wenn du austehst, kannst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: Das walte Gott, Vater Sohn und Heiliger Geist. Amen. Und beim Abendsegen ebenso: Des Abends, wenn du zu Bett gehst, kannst du dich segnen mit den Zeichen des heiligen Kreuzes … (Siehe EG 808 und 814)

Pfarrer Wolfgang Max meint dazu: 

Zum Kreuzeszeichen gehören die laut oder still gesprochenen Worte: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Matthäus 28,19)

Ist es mir möglich, es aufrecht stehend zu vollziehen, verbinden sich oben und unten, Himmel und Erde, die Welt zu meiner Rechten und die Welt zu meiner Linken. Ich gründe und erde mich, lasse mich aufgerichtet sein zum Himmel hin und bin offen für die Welt um mich.

Mit dem Kreuzeszeichen stelle ich mich bewusst in die Gegenwart Gottes, von dem und durch den und zu dem alle Dinge sind und dem auch ich zu eigen bin. (Röm.11,36; 14,7ff).

Das Kreuzeszeichen vergegenwärtigt mir meine Taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Das Kreuzeszeichen verbindet mich mit Christus dem Gekreuzigten. Auf seinem Weg ans Kreuz hat er der Welt bis in die letzte Konsequenz Gottes Liebe bezeugt.

Das Kreuzeszeichen verbindet mich mit anderen Christen, die mit mir auf dem Weg der Nachfolge des Gekreuzigten sind und waren. Es trennt nicht die Konfessionen, sondern verbindet sie.

Wein und/oder Saft?

Zur Eucharistie (Abendmahl) gehören die beiden Zeichen Brot und Wein. Man kann und hat sich lange darüber gestritten, ob auch Traubensaft genommen werden kann oder sogar muss - aus Rücksicht auf die, die keinen Wein trinken wollen oder dürfen. 

Wir haben uns in unserer Gemeinde entschieden, beides zu tun. Da wir einen Kreis um den Altar bilden, gibt es auf der einen Seite Wein und auf der anderen Seite Traubensaft (in Keramikkelchen). So kann sich jeder entscheiden - und z.B. ohne Bedenken seine Kinder mit zum Abendmahl nehmen. 

Wieso tut Ihr das? 

… werden wir immer wieder gefragt, wenn bei uns auch Kinder zum Abendmahl gehen. »Also früher durften wir erst zur Konfirmation und früher gingen wir auch nur ein oder zwei Mal im Jahr…« 

Unsere Kirche hat sich entschieden, dass auch Kinder eingeladen sind. Das ist möglich, weil es Eltern, Paten und andere gibt, die den Kindern in geeigneter Weise nahebringen können, um was es bei der Eucharistie geht, einfach mit Worten, die Kinder verstehen können. Und seien Sie sicher, dass Kinder gerade den Gemeinschaftsaspekt sehr wohl verstehen. Bei manchen Gelegenheiten erklären wir das auch im Kindergottesdienst oder im Gottesdienst. Darum gilt auch in diesem Fall die Einladung Jesu: Lasst die Kinder zu mir kommen …

Im Bademantel? 

So reklamierte einmal jemand am Telefon: Warum kommt der Pfarrer im Bademantel? Es ist freilich keiner, sondern es handelt sich um eine (Mantel-) albe, ein weißes liturgisches Gewand. Das kann inzwischen auch in Baden zu Taufen, Trauungen, Christusfesten und zu Gottesdiensten mit Eucharistie (Abendmahl) getragen werden, zusammen mit einer Stola, die in den Farben des Kirchenjahres gehalten ist. Das war schon in der alten Kirche so und wurde in Deutschland erst von Friedrich Wilhelm III geändert, der verordnete, dass in der evangelischen Kirche wenigstens der schwarze Talar als liturgisches Gewand getragen werden solle. 

Aber anders als die Nichtfarbe Schwarz erinnert die weiße Albe an die Taufe und an den Stand aller Christen, als von Gott geheiligte und geliebte Menschen. 

Hilfreiche Gedanken finden wir auch im Buch der Offenbarung: Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden …(3,5) Und: Danach sah ich eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm (= Jesus), angetan mit weißen Kleidern … (7,9)

So erinnert die weiße Farbe uns daran, was wir einmal sein werden - und was jetzt schon in unser Leben ausstrahlt.