
Quelle: Ulrike Bruinings
Immer kurz nach der vollen Stunde ertönen besondere Klänge durch den Ortskern von Hinterzarten, sie sind auch vom Adlerfelsen oder vom Vinzenz-Zahn-Felsen aus hörbar: eine wie von metallischen Hämmern geformte Melodie, meist ein Choral oder ein Volkslied wird Glöckchen für Glöckchen hell angeschlagen und lässt Gäste wie Einheimische aufhorchen. Je nach Kirchenjahreszeit erklingen passende Lieder, ihre Klänge stammen von dem frei vor dem Evangelischen Gemeindehaus stehenden Glockenspiel mit 16 Melodieglöckchen. Tritt man näher, sieht man vier musizierende Engel um das Glockengerüst angeordnet, sie sind aufwändig gestaltet und stammen von dem Künstler Jo Emil Homolka (1925-2010), der in Königsfeld im Schwarzwald lebte. Er war als Erzieher und Werklehrer mit dem Neuaufbau eines modernen Kunstunterrichts an den Zinzendorfschulen betraut, war aber nicht nur Lehrer, sondern auch freier Bildhauer. Sein umfangreiches und mit Preisen ausgezeichnetes plastisches Werk besteht aus Skulpturen in Bronze, Holz, Beton und Edelstahl, oft im Auftrag von Kirchen und Kommunen und für soziale Einrichtungen.
Vor dreißig Jahren, 1990, sollte der Adlerweg in Hinterzarten ein neues Gesicht bekommen. In diesem Zusammenhang bot die Evangelische Gemeinde an, vor ihrem Gemeindehaus ein gestalterisches Element einzubringen. Das Siegel der Gemeinde Hinterzarten, das Kreuz zwischen zwei Tannen, ist auf der Bronzetafel am Glockenspiel angebracht.

Quelle: Ulrike Bruinings
Die Idee für das bildhauerische Motiv stammt aus dem 150. Psalm:
1 Halleluja.
Lobt Gott in seinem Heiligtum!
Lobt ihn in seiner starken Himmelsburg!
2 Lobt ihn für seine kraftvollen Taten!
Lobt ihn für die Fülle seiner Macht!
Lobt ihn zum Klang von Harfe und Leier!
4 Lobt ihn zur Handtrommel und tanzt im Kreis!
Lobt ihn mit Saitenspiel und Flötenmusik!
Lobt ihn mit großen dunklen Zimbeln!
Alles, was lebt durch Gottes Atem,
antworte dem HERRN mit Lobgesang!
Halleluja!
Der Psalter war übrigens ein zitherartiges Seiteninstrument, der Text ergänzt Harfe, Leier, Widderhorn (Schofarhorn), Saiten (Gambe) und Pfeifen (Querflöte) sowie am Ende Zimbeln (Glöckchen).
Und es sind Engel, die diese Instrumente in der Hand halten, so wie sie in Psalm 103,20 gerufen werden: "Lobt den HERRN, ihr dienstbaren Engel – ihr starken Helden, die sein Wort ausführen und seinen Befehl entgegennehmen!“
Das Glockenspiel wurde am 5. August 1990 von Prälat Gerd Schmoll, früher Gemeindepfarrer in Hinterzarten, geweiht.
Text: Toni Bünemann
